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Keine Oper zum Zurücklehnen 

LZ/ 21. Juli 2000

„Der Freischütz“ als Opernwerkstatt in der Schlossbergschule

Landsberg./  Eine ebenso mitreißende wie ungewöhnliche „Aufführung“ der Oper „Der Freischütz“ erarbeitete das Musiktheater Animato gemeinsam mit den Schülern der Schlossbergvolksschule. Fast 180 Jahre nach der Uraufführung des Werkes von Carl Maria von Weber wurde damit ein neues Theaterkonzept verwirklicht, das sich hervorragend eignet, Kindern Theater nahezubringen.

Sehr geschickt führte Walter Kukla vom Musiktheater Animato die anwesenden Schüler an die romantische Oper heran. Erst musste die Tonanlage ausprobiert werden. Die daraus erklingende Walzermusik (natürlich auch aus „Der Freischütz“) nutzte Kukla zu einem Tänzchen mit seiner Partnerin Christiana Bild. Sodann gaben die beiden eine Einführung ins Thema: „Was ist Romantik? Was ist eine Oper?“ wurden die Zuhörer gefragt, während die Ouvertüre erste Stimmungen vermittelte.

Doch bevor das Stück richtig losgehen konnte, mussten erst der Regisseur bestimmt und die Rollen verteilt werden. Nein, das war keine Opernaufführung nach herkömmlichem Muster zum Zurücklehnen! Hier war Interaktion angesagt. Die Schüler, die sich schon im Unterricht mit dem „Freischütz“ beschäftigt hatten, übernahmen ihre Rollen, hatten ihre Parts sogar auswendig gelernt. So ging man die Oper gemeinsam Szene für Szene durch. Kukla erklärte das jeweils zu spielende Geschehen und spielte selbst den Bösewicht Kaspar, der sich an seinem Nebenbuhler Max rächen will.

Bewundernd stellte eine Lehrerin fest, wie der in Wien ausgebildete Schauspieler Kukla und die aus Berlin stammende Solosängerin Bild selbst Schüler in das Stück einzubinden verstanden, die im Unterricht als schwierig gelten. Tatsächlich verfügt der Darsteller Walter Kukla über ausgeprägtes Charisma und pädagogisches Talent. Mühelos hielt er die Kinder und Jugendlichen mit seiner witzigen Moderation bei der Stange. Christiana Bild unterstützte ihn dabei schwungvoll und überzeugte in verschiedenen Arien mit ihrem glockenreinen Sopran. Eindrucksvoll beschwor Kukla alias Kaspar den Teufel, während er in der Höllenschlucht die sieben Freikugeln goss, die dem Helden Max beim Preisschiessen zum Verhängnis werden sollten: „Samiel, zeig dein Gesicht, Samiel hilf!“. Dieser bedrohliche Höhepunkt der Oper wurde mit Hilfe einfacher Requisiten unterstützt. Bei der ersten Kugel rollte das Holzschwein „Karlchen“ als „schwarzer Eber“ über die Bühne. Während die weiteren Kugeln entstanden, simulierten die Schüler mit weißen Tüchern, Taschenlampen, Perkussionsinstrumenten und Ketten den Sturm, die Nebelschwaden und Irrlichter in der Höllenschlucht. Zum aufregenden Finale wurde dann gar die Chöre der Brautjungfern und Jäger mobilisiert, die mit ihrem Gesang dem Bräutigam Max Mut

machen sollten zu seinem alles entscheidenden Schuss.

MIT HERZBLUT

Die Idee des erst gegründeten Musiktheaters Animato, die Zuschauer in die Vorstellung einzubinden, ging vollkommen auf: die Schüler fanden bei dieser Opernwerkstatt einen sehr guten Zugang zu einem Genre der Kunst, das Jugendliche heutzutage üblicherweise nicht interessiert. Dazu trug vor allem bei, dass sowohl Christiana Bild als auch Walter Kukla ihr Handwerk professionell beherrschen und mit Herzblut bei der Sache sind.

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